Grüß Godd.

Guten Abend, ein Helles bitte. – Danke.

(Fünf Minuten Schweigen)

Hi. Bist du neu?

Guten Abend. Ja. Nein. Nur fremd.

Wou kummstn her?

Ich glaube aus dem – Café Hund?

Na, ich mein, wost herkummmst.

Ich weiß es nicht genau. Also zuerst war ich in einer „Bruderbierwerkstatt“ oder so.

In wos?

In der Luitpoldstraße, gegenüber ist eine Spielhalle, es gab ein „Hausbier“, sehr trüb, hat aber gelöscht. Und ich hatte so einen Durst! Bevor ich los bin, hatte ich einen geraucht, einen ganz Kurzen nur, aber der hat vielleicht geknallt!

Kenn ich.

Ich bin zur S-Bahn und beim Warten dachte ich plötzlich, ich fliege weg. Völlig verbimmelt am Hauptbahnhof raus, dann musste ich in zwei verschiedenen Banken drei unterschiedliche Transaktionen durchführen –

Mann!

… und vergesse natürlich beide Male, die Auszüge zu ziehen.

Kenn ich.

Also danach erst mal ein Bier und ich: Konzentriere dich! Du musst jetzt zum Jakob, ein Buch bestellen vom Dings und danach – wie heißt du eigentlich?

Max. Und Du?

Ich auch.

Max?

Nein. Christian. Michael.

Christian oder Michael?

Michael. Jedenfalls hatte ich Angst, dass ich vergesse, was ich alles machen muss und dass ich meinen Rucksack irgendwo liegen lasse. Da ist das ganze Zeug drin: Geldkarten, Tabak, Schlüssel, die Lebkuchen –

Lebkoung im Sebdember? Du bist a Durist!

Ich habe einen ganzen Rucksack voll gekauft. Aber jetzt muss ich erstmal eine rauchen. Kommst du mit, Tom?

Max. Na, ich mooch nimmer seit meim Herzkaschber.

Beileid. Pass auf mein Bier auf.

Bass du fei auf! Dou gäids zu die Dolledn. Doddn gäids naus.

(Tür auf, Straßengeräusche, Tür zu; … Tür auf, Straßengeräusche, Tür zu.)

Wo waren wir?

Wost herkummst.

Okay. Nach dem Bier war ich beim Jakob, Buch bestellt, kann ich morgen abholen.

Und warum kaffstna du säggewaise Lebkoung ei?

Sollte ich mitbringen, drei so Packungen. Aber es gab fünf zum Preis von vier. Also habe ich fünf genommen. Dann hatte ich wieder Durst – war scheiße schwül heute, oder?

Ja.

Ich bin hochgelaufen zum Dürerplatz, da haben wir als Teenies früher rumgehangen und irgendwelche Aufschneider haben schlecht Gitarre gespielt und die Bullen kamen dauernd. Warst du früher auch auf dem Dürerplatz?

Diergäddnerdorblatz.

Genau, Tiergärtnertorplatz. Ich bin also rauf zum Franziskaner, habe saure Zipfel gegessen und zwei Bier getrunken und da rüber gespannt, wo wir früher auf dem Pflaster gehockt haben. Da sitzen die jetzt auf Stühlen. Und sehen alle so alt aus wie ich, als würden sie seit 35 Jahren dort sitzen!

Bist du aus Nemberch?

Die sauren Zipfel waren gut. Dann bin ich wieder runter zur U-Bahn. Zum Plärrer? Ich war wohl noch im Montparnasse, kennst du? In Johannis?

Nein.

Da war ich früher gerne. Und ich war auch noch im Geza Golusi.

Ah!

Da waren drei junge Frauen, die haben sich die ganze Zeit gegenseitig fotografiert.

Hübsch?

Weiß nicht, habe mit dem Rücken zu ihnen gesessen. Aber die eine hatte tolle schwarze Augen. Dann bin ich Bus gefahren. Oder U-Bahn.

Bist gscheid ins Gwidder kommer.

Gewitter?

Du bist badscherdnass.

Stimmt.

Und wou kummst du etz wergli her?

Galgenhof. Hummelsteiner Weg.

Hab iech mer doch glei denkt: A Nembercher! Geh her!

(Umarmung)

Danke. Und wo bin ich jetzt gerade?

In Muggnhuuf.

Ouh. Okay. In Muggenhof gibts Kneipen?

Freili. Die anne.

Okay. Gibt es hier ÖPNV?

Die U-Bohn is glei über die Schdrass.

Okay.

Aber die fahrt etz nimmer.

Eins noch, Tom: Hast du zufällig irgendwo einen schwarzen Rucksack gesehen?

Nürnberg, 10. September 2021