Der gräuliche Herr Buchhalter verlässt das Haus, schließt die Tür und will zur Bushaltestelle gehen. Da sieht er eine Krähe in der kalten Morgensonne schwarz schillernd mitten auf der Straße herum stolzieren. Der Buchhalter freut sich, geht vorsichtig zwei Schritte auf die Krähe zu und zwitschert sie dabei leise an. Sie bleibt stehen, guckt, fliegt aber nicht weg. Er zwitschert, sie lauscht.

Ein Auto kommt von rechts, der Buchhalter läuft langsam zum gegenüberliegenden Gehsteig, die Krähe beobachtet ihn. Das Auto kommt näher, jetzt folgt der schwarze Vogel dem Buchhalter. Der geht in Richtung der Kreuzung und zwitschert und die Krähe trippelt an seiner Seite. Am Ende der Straße schwingt sie sich auf, fliegt auf den Dachsims des Hauses gegenüber und blickt über die Kreuzung.

Der Buchhalter sieht ihr entzückt nach, wartet am Fußgängerüberweg und denkt sich, wenn mich der Schlag trifft und sie mich ausschlachten, sollen die Krähen meine Augen kriegen. Er lacht in sich hinein, ja, ich werde meinen Organspenderausweis ändern müssen.

Die Ampel wird grün, der Buchhalter geht los, lacht wieder und dreht sich noch einmal um nach der Krähe auf dem Dach. Ein Auto bremst, es kracht, jemand schreit.

Aber die Krähen haben die Augen nicht gekriegt.

(Weimar, 7. November 2020)