Was beim ersten Sondierungsgespräch von Grünen und FDP am Dienstagabend wirklich vereinbart wurde – und was dann geschah …

(In einem Büro im Deutschen Reichstag)

Habeck: Christian!

Lindner: Hallo Robert! Annalena! Willkommen!

Baerbock: Christian!

Lindner: Na, was sagt ihr? Wie haben wir das gemacht?

Habeck: Super, oder? Und wir kegeln das jetzt untereinander aus! Der Scholz oder der Laschet muss nehmen, was wir ihm geben.

Baerbock: Und was nehmen wir?

Lindner: Alles wie verabredet. Du, Anneliese, wirst Außenministerin, Robert wird Klimavizekanzlersuperminister.

Habeck: Und du wirst Finanzminister und der Kubicki Innenminister.

Lindner: Scheiß auf den alten Sack, der muss die Familienministerin machen!

(Alle lachen.)

Lindner: Also weiter: Ihr verlangt diese Dings-CO2-Verpreisung, um das Klima zu retten, und wir senken im Gegenzug die Unternehmenssteuern und streichen den Soli.

Habeck: Top!

Baerbock: Und wir machen Putin fertig!

Lindner: Nein, Anneliese.

Baerbock: Nein?

Habeck: Nein, Annalena.

Baerbock: Dann Lukaschenka?

Lindner: Welche Lukaschenka?

Habeck: Lukaschenko. Der in Minsk.

Lindner: Meinetwegen.

Habeck: Okay. Bleibt die Frage, wen wir zum Kanzler machen.

Lindner: Na den, ders mitmacht!

(Alle lachen. In einem anderen Stockwerk des Reichstags sitzen Olaf Scholz und Armin Laschet und hören über Leitung mit.)

Laschet: Hast du das gehört, Olaf?

Scholz: Jo. Das ham wir doch fein hingekricht, oder?

Laschet: Ganz prima, wirklich. Du Fuchs!

Scholz: Danke. Und wie geht’s weiter?

Laschet: Erst lehnst du die Unternehmenssteuersenkung ab und danach ich die hohen CO2-Preise?

Scholz: Jo. Du hast es.

Laschet: Dann lassen wir alles platzen und machen wieder eine Große Koalition!

Scholz: Jo. – Armin! Ich gebe zu, meine Idee war ganz gut, aber deine Umsetzung! Die Lachnummer bei der Steinmeier-Rede im Hochwassergebiet war wirklich unschlagbar!

Laschet: Steinmeier musste sich beim Sülzen tierisch zusammennehmen, hat er mir hinterher gesagt, er hätte sich fast eingebrunzt vor Lachen.

Scholz: Und zack! Bei euch 15 Prozent weg, ich bin plötzlich der coole Olaf, großes Durcheinander und am Ende dürfen wir weitermachen wie gehabt!

Laschet: Na ja, du bist der Kanzler und ich nur Vize.

Scholz: Glückssache. Nächstes Mal tauschen wir, okay?

Laschet: Ich nehme dich beim Ehrenwort!

(Beide Lachen. Laschet geht. Scholz greift zum Telefon.)

Telefon: Guten Tag, Sie sprechen mit der M.M.Warburg-Bank. Was können wir für Sie tun?

Scholz: Guten Tag, Scholz. Ich würde gerne mit Christian Olearius sprechen.

(Miep. Buup. Klack.)

Telefon: Guten Tag Herr Minister. Wie ist es denn gelaufen?

Scholz: Wie am Schnürchen, vielen, vielen Dank für Ihre Vermittlung! Wie haben Sie es nur fertiggebracht, den Laschet davon zu überzeugen, sich darauf einzulassen?

Telefon: Ich hüte seine Bankgeheimnisse, mein Lieber. Wann gehts denn los?

Scholz: Erst treffen wir uns mit denen, dann die Union und dann sagen wir beide ab und einigen uns auf die Große Koalition.

Telefon: Gut.

Scholz: Sagen Sie mal, Herr Olearius. Muss der Merz wirklich Finanzminister …?

Telefon: Abgemacht ist abgemacht, Herr Minister? Übrigens: Sie schulden mir noch 47 Millionen Euro.

Scholz: Ist nicht vergessen, Herr Olearius. Für Sie gilt doch: Sozial! Auch nach der Wahl!

Telefon: Auf Wiederhören, Herr Minister.

Scholz: Auf Wie –

(Klack. Telefonwählgeräusch. Tuten.)

Merkel: Hallo Christian! Und?

Olearius: Hat alles planmäßig geklappt.

Merkel: Klasse! Ich werde vom Homeoffice aus regieren und keiner merkts!

Olearius: Genieße es, solange du kannst.

Merkel: Warum diese Einschränkung?

Olearius: Es könnte sein, dass wir dich noch woanders brauchen.

Merkel: Wo?

Olearius: In New York. Bei der UNO. „Leaderin of the free world!“ Wie klingt das für dich?

 

(Abb. Instagram Vokker Wissing über Reuters, vom Autor bearbeitet.)

Weimar, 27. September 2021