Der graue Mann mit Mantel betritt am kalten Sonntagmorgen die Halle des Weimarer Hauptbahnhofs und geht nach rechts zu einer der großen Bänke, auf denen man Rücken an Rücken sitzt. Als er sich platziert, kippt die Bank leicht nach vorne. Er sieht sich und die Bank, auf der er sitzt, schemenhaft in der großen Glastür gegenüber. Von rechts schiebt sich eine Kehrmaschine ins Bild, auf ihr ein Arbeiter im Blaumann, mit Halstuch über Mund und Nase. Er fährt parallel zu Wand und Glastür drei Meter entfernt an Graumann vorbei.

Zwei Jungs setzen sich hinter seinem Rücken auf die Bank, sie kippt klackend auf ihre Seite. Sie stehen wieder auf, die Bank kippt zurück, sie setzen sich, Bank kippt vor, und so geht es weiter, die Jungs lachen „höhöhö …“ Die Kehrmaschine kommt wieder von rechts, jetzt eine Spurweite näher an Graumann dran.

Ein riesiger Kerl setzt sich neben ihn, die Bank knallt laut auf seine Seite, jetzt sind wieder die Jungs hochgelegt. Eine vornehme Dame mit Handtasche läuft absatzklappernd von rechts durchs Bild zum Reisezentrum. Hinter ihr folgt langsam der Kehrmaschinenfahrer, wieder eine Spurweite näher an Graumann dran.

Die Dame kommt zurück, in großer Eile, klack-klack-klack-klack. Der Dicke steht auf, die Bank kippt auf die Seite der beiden Jungs, die Kehrmaschine naht noch näher von rechts, nächstes Mal werde ich die Beine hochnehmen müssen, denkt Graumann, sonst sindse ab.

Jetzt noch einmal die Dame von rechts nach links, sie rennt wieder zum Fahrkartenschalter, die zwei Jungs stehen auf und gehen davon, die Bank kippt auf Graumanns Seite, die Kehrmaschine hält direkt auf ihn zu, es ist so weit, mit einem Ruck nimmt er die Beine hoch, doch der Blaumann biegt kurz vorher abrupt nach links ab. Graumann, die Füße oben wie ein umgefallener Käfer, meint, den Arbeiter unter dem Halstuch grinsen zu sehen.

(1. Februar 2022, im Zug von Weimar nach Erfurt)