Fundstück aus meiner lange vergangenen Radiovergangenheit (*) in Berlin. Ich sendete nacheinander bei Energy 103,4, DT 64, 104.6 RTL und 98,8 Kiss FM. Dienstlich Moderator/Redakteur/Autor, in der Freizeit linksradikaler PDS-Aktivist mit Nom de guerre „Peter Zecke“. Ein Kampfname war nötig, weil man gut beraten war damals, sein Engagement für die Partei vor dem Arbeitgeber zu verbergen.

Nachdem ich zum zweiten Mal bei Energy angeheuert hatte, ich würde die Frühsendung moderieren an der Seite von Ina Tenz, wurde ich beim Geschäftsführer Hartmut Horst als linke Ratte denunziert — von einem nicht zum Zuge gekommenen Moderator und mit dem Fax (**), das hier abgebildet ist.

Daraufhin wurde ich zum GF gerufen und er fragte mich, ob ich denn tatsächlich in der PDS Mitglied sei. Ich bejahte, er lachte, und sagte: Naja, ist ja nur die PDS und nicht etwa die DKP. — Ja, gell? Erwiderte ich und verließ eilig sein schönes Jugendstil-Büro im Sender an der Potse. Eben jene DKP hatte mich 1990 in die PDS geschickt, um die Kommunisten in der Partei zu unterstützen …

Jahre später 1997, passierte dasselbe noch einmal, dieses Mal wurde ich (Formatchef) bei Radio Hamburg als „PDS-Kader“ enttarnt. Als eine Betriebsrätin (sic!) zum Programmchef, den sagenumwobenen Dr. Thomas Walde lief, um mich anzuschwärzen, warf er sie hochkant aus dem Büro. Und deutete auf eine Stickerei an der Wand, die Felix Edmundowitsch Dzierżyński zeigte und den Satz: Wer nichts falsch gemacht hat, hat nichts gemacht.

Walde war schon `ne coole Sau.

(Worterklärungen für die nachgeborene Generation: * Ein Radio ist so eine Art spotify mit Knöpfen und Antenne. ** Ein Fax ist ein Brief, den eine klobige Maschine ausspuckt, die im Büro neben einem Wählscheiben-Telefon (***) steht. *** Was ein Wählscheibentelefon ist? Das habe ich vergessen.)

(Weimar, 2. April 2019)